Fachgebiet Philosophie

Prof. Dr. Michael M. Richter

Mit tiefer Betroffenheit müssen wir vermelden, dass der ehemalige Leiter der Dokumentationsstelle Logik an der TU Kaiserslautern, Prof. Dr. Michael M. Richter, am 10. Juli 2020 im Alter von 82 Jahren verstorben ist.

Michael M. Richter ist es gelungen, die Forschungsstelle Mathematische Logik der Heidelberger Akademie der Wissenschaften im Jahre 1989 als Nachfolger von Prof. Dr. Gert H. Müller (Universität Heidelberg) an die TU Kaiserslautern zu holen. Michael M. Richter hat die Forschungsstelle bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2004 mit großem Erfolg geleitet und ihr weltweite Anerkennung verschafft. 

Michael M. Richter hat das Logik-Unternehmen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften nach dem Erscheinen der gedruckten Fassung der Referenz-Bibliographie zur Logik – der Omega-Bibliography of Mathematical Logic - mit zukunftsweisendem Gespür in das digitale Zeitalter überführt, mit den führenden einschlägigen Datenbank-Anbietern weltweit kooperiert und durch zahlreiche wissenschaftliche Projekte zu KI-gestützter begrifflicher Wissensverarbeitung begleitet. Zu nennen sind hier insbesondere DFG-Projekte sowie die Teilnahme am EU-Projekt TRIAL-SOLUTION. 

Die stets kreative und kenntnisreiche Arbeit von Michael M. Richter hinterlässt ihre Spuren nicht nur bei den einschlägigen Fach-Datenbanken. Michael M. Richter zeigte sich als kreativer visionärer Denker mit brillianten analytischen Fähigkeiten, als herausragender Wissenschaftler und nicht zuletzt als stets freundlicher, hilfsbereiter, gewitzter und menschlicher Kollege. Sein Tod bedeutet einen schmerzlichen Verlust.

Prof. Dr. Wolfgang Neuser und Dr. Wolfgang Lenski

Die Dokumentationsstelle Logik

Logik kommt im Kanon der wissenschaftlichen Disziplinen eine herausgehobene Stellung zu: Logik vermag Abhängigkeiten zwischen gegebenem inhaltlichem Wissen zu begründen, ohne dazu eigene inhaltliche Beiträge einzubringen. Diese inhaltliche Neutralität gepaart mit der Fähigkeit zur Generierung unhintergehbarer inhaltlicher Zusammenhänge machen Logik zur Grundlagen-Disziplin und zum Paradigma für Wissenschaftlichkeit insgesamt. So suchte auch die Philosophie, wenn Begründungsfragen ins Zentrum des Interesses rückten wie etwa bei Fichte und im Hegelschen System, ihre Grundlagen als Wissenschaft durch Rückgriff auf logische Fundamente zu sichern. Die Aristotelische Logik war hierfür jedoch ungeeignet - ein neues Verständnis von Logik musste entwickelt werden.

Seit den Zeiten von Leibniz ist die Idee des logischen Vorgehens der Kalkül - ein reines "Rechnen" der Form -, das als solches bereits den Anspruch verbürgt, keine auch noch so versteckten zusätzlichen inhaltlichen Bezüge mit zu "verrechnen". Damit ist zweierlei verbunden: Die inhaltliche Neutralität ist so gesichert wie bei arithmetischer Addition und muss nicht mehr mittels philosophischer Reflexion erst noch nachgewiesen werden. Mit diesem Grundgedanken ist andererseits auch der Einbeziehung der Mathematik in inhärent logische Gegebenheiten die Tür geöffnet.Logik hat sich dann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts insbesondere unter dem Einfluss der Arbeiten von Georg Cantor zur Mengenlehre sowie von Gottlob Frege zu einer Neukonzeption von Logik als symbolischer Kalkül in historisch folgenreicher Weise weiter entwickelt. Logik ist seitdem sowohl Teilgebiet von Mathematik als auch von Philosophie.

Das Projekt Logik-Bibliographie verfolgte das Ziel, dieses wissenschaftstheoretisch so bedeutsame Gebiet zu dokumentieren, zu strukturieren und den Zugang zu seinen Ergebnissen zu ermöglichen.

Aufgrund der besonderen Stellung der Logik weist dieser Ansatz weit über das eigene Gebiet hinaus und konstituiert eine Leistung, die einen gesamtkulturellen Wert an sich darstellt.

Die am Fachgebiet Philosophie unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Neuser  angesiedelte Dokumentationsstelle Logik ist der Nachfolger des Unternehmens "Mathematische Logik" der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Eine Recherche zu Inhalten ermöglicht der langjährige Kooperationspartner zbMATH.

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