Fachgebiet Pädagogik

LEA

Lernend Altern

Der demografische Wandel in Deutschland wird in vielen Bereichen diskutiert und fordert zu neuen Konzepten und Ideen bei der zukünftigen Gestaltung in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen auf. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes wird der Anteil der Älteren ab 65 Jahren in Deutschland von 20% im Jahr 2008 auf 34% im Jahr 2060 ansteigen. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung und 2050 können 60-jährige Männer durchschnittlich noch 23,7, Frauen sogar 28,2 Lebensjahre erwarten (Quelle: Statistisches Bundesamt 2009: Bevölkerung Deutschlands bis 2060).

Die Steigerung der Lebenserwartung sowie die Agilität der älteren Bevölkerungsschichten verbunden mit einer Verschlankung der nachwachsenden Generationen beinhalten ein Neudenken und –strukturieren, auch in der Weiterbildung. Dies betrifft auch den Bereich der aktiven gesellschaftlichen Teilnahme und Teilhabe Älterer, denn diese können als Wissensinhaber und Kompetenzträger einen wertvollen Beitrag vor allem im Bereich der wirtschaftlichen Entwicklung leisten. Das belegen auch Untersuchungen, die einen Rückgang der Produktivität bis zum 65. Lebensjahr nicht bestätigen, wie im 12 Punkte Papier der Akademiegruppe „Altern in Deutschland“ skizziert wird. Vielmehr bieten Ältere häufig ein besseres sprachliches Ausdrucksvermögen, umfangreicheres Expertenwissen und ein höheres Repertoire an Mustern für Problemlösungen. Jedoch ist das Training dieser Leistungsfähigkeit bedeutsam. Dies betrifft nicht nur die körperlichen Fähigkeiten, auch die geistigen Aktivitäten dürfen nicht vernachlässigt werden.

Vor allem das Training der geistigen Leistungsfähigkeit wirkt sich positiv auf das Altern aus. Zum einen führt Lernen zur Erweiterung der sozialen Beziehungen, zum anderen bewerten ältere Lerner ihren Gesundheitszustand besser, wie Kolland u.a. (2009) zeigen. Aber nicht nur das. Wie jüngst eine Untersuchung des Max-Planck- Instituts für demografische Forschung zeigt, führt eine Verbesserung des Bildungsniveaus auch zu einer längeren Lebenserwartung in der Bevölkerung (vgl. Domantas u.a. 2007). Kurz gesagt: Wer lernt, lebt länger.

Das Fachgebiet Pädagogik der Technischen Universität Kaiserslautern unter Leitung von Prof. Dr. Rolf Arnold führt in Kooperation mit dem Institut für Experimentelles Software-Engineering der Fraunhofer-Gesellschaft Kaiserslautern (Prof. Dr. Frank Bomarius) und der Volkhochschule Kaiserslautern (Michael Staudt M.A./M.A.) das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „LEA – Lernend Altern“ durch. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Sonderprogramms des Landes Rheinland-Pfalz „Für unser Land: Arbeitsplätze sichern – Unternehmen unterstützen – nachhaltig Investieren“ zur Umsetzung des Konjunkturprogramms II mit Unterstützung der Multimediainitiative der Landesregierung rlp-inform. Der Förderzeitraum dauert von Juli 2009 bis Dezember 2011.

In diesem Projekt wird der Versuch unternommen, insbesondere älteren, immobilen Menschen Bildungsangebote zu offerieren. Mit Hilfe der Nutzung digitaler Medien wie Computer und Internet sollen Lösungen realisiert werden, die es ermöglichen, auf einfache und intuitive Weise Lernangebote wahrzunehmen, ohne eine Bildungseinrichtung vor Ort aufsuchen zu müssen. Die technische Hürde wird niedrig gehalten und den individuellen Bedürfnissen der Lernenden anpassbar sein. Mit Hilfe dieses Projektes sollen längerfristig nicht nur internetbasierte Kurse der Volkshochschule in die Wohnzimmer älterer Interessenten gelangen. Vielmehr verspricht sich das Projekt weitere Erkenntnisse bezüglich der Gestaltung von Lernangeboten sowie von Endgeräten und Benutzeroberflächen, die für diese Zielgruppe benutzbar und Gewinn bringend eingesetzt werden können. Neben der Vermittlung von (Fach-)Inhalten steht der Austausch der Lerner untereinander im Vordergrund.

Dem Fachgebiet Pädagogik kommt dabei die Aufgabe zu, die Kursleiter bei der Gestaltung und pädagogisch geschickten und sinnvollen Übertragung der Kurskonzepte in diese neue Form des Lehrens und Lernens zu unterstützen. Gleichzeitig findet am Fachgebiet die Erforschung des Lernverhaltens Älterer mit Hilfe neuer Medien, bespielhaft im Projekt „Lernend Altern“, statt. Hieraus erhofft man sich Rückschlüsse über die zukünftige Gestaltung neuer Lehr- und Lernformen für Ältere, die für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung von Bedeutung sind.

Das Institut für Experimentelles Softwareengineering (kurs IESE) der Fraunhofer- Gesellschaft in Kaiserslautern übernimmt die Aufgaben, eine entsprechende zielgruppengereichte Lernumgebung bereitzustellen, die Lernangebote technisch aufzubereiten und den Zugriff der Lerngruppe darauf zu ermöglichen. Hierfür werden entsprechende Geräte auf ihre Eignung hin untersucht und an die Teilnehmerbedürfnisse angepasst.

Die Volkshochschule Kaiserslautern hilft mit ihren Erfahrungen im Bereich der Bildungsangebote für Erwachsene im Allgemeinen und Senioren im Besonderen, dem Projektteam bei der Entwicklung und Aufbereitung der Kurse. Als anerkannter Bildungsanbieter in der Region bietet sie zugleich den Rahmen, in welchem die Kurse organisatorisch und fachlich sehr gut betreut werden können. Somit ist sie ein geeigneter Partner, um die entwickelten Angebote modellhaft zu erproben und zu evaluieren, um diese zukünftig einer breiteren Interessengruppe zugänglich zu machen.

Im Rahmen des Projektes wurden bislang mögliche Endgeräte untersucht, die für den Einsatz bei älteren Lernern geeignet sind. Dabei wird auf die Nutzerfreundlichkeit und Funktionalität hoher Wert gelegt. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass für die Benutzung grundsätzlich keine Kenntnisse im Umgang mit Computer und Internet notwendig sind, um die geplanten Kurse zu besuchen.

Weiterhin wurden mit den Kursleitern der VHS-Kaiserslautern Gespräche über das Vorhaben geführt und es fanden sich mehrere Kursleiter, die an dem Projekt und dessen Realisierung Interesse bekundeten. Mit diesen wird derzeit vertieft an der Konzeption und Realisierung des Projektes gearbeitet. Zum derzeitigen Stand der Entwicklung kann festgehalten werden, dass zum Wintersemester 2010 zwei Kurse im Rahmen von LEA an der Volkhochschule Kaiserslautern modellhaft erprobt werden. Ein Kurs wird sich mit dem Training, dem Erhalt und der Verbesserung der Gedächtnisleistung beschäftigen, der von der Kursleiterin Frau von Aswegen durchgeführt wird. Ein weiterer Kurs, betreut von Herrn Hodapp, zielt stärker auf die Einführung und das Kennenlernen von Anwendungsgebieten des Computers. Die Kurse sind im Kursprogramm der VHS für das Wintersemester 2010 konkret beschrieben.

Neben der Ausstattung der VHS Kaiserslautern mit entsprechender Technologie im Rahmen der modellhaften Erprobung wird auch den interessierten Lernern die notwendige Ausstattung für die Laufzeit des Projektes kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ein erfahrenes Team steht bei technischen oder organisatorischen Problemen unterstützend zur Seite.

Um die Entwicklung an den Bedürfnissen der Lerner auszurichten, werden diese bereits früh in den Entwicklungsprozess einbezogen. So fand im Februar eine Abfrage der Teilnehmererwartung an solche Kurse sowie deren Vorerfahrungen aber auch Befürchtungen statt. Die hier gewonnenen Erfahrungen fließen in die Konzeption der Kurse sowie in die Gestaltung der technischen Geräte ein.

Mehr Informationen erhalten Interessenten auf der Internetseite des Projektes unter der Adresse: www.lea-projekt.de oder bei Frederick Schulz

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