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Von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) im Rahmen der Initiative „Psychologie und Zukunftsfragen“ geförderte Podiumsdiskussion

Die Rolle der Hirnforschung in der Entwicklungs- und Lernpsychologie:
Zwischen Euphorie und Ablehnung

Termin: Mittwoch, der 09. September 2009, 19.30 – 21.30 Uhr
Ort: Fruchthalle Kaiserslautern (Fruchthallstraße 6, 67653 Kaiserslautern)
Der Eintritt ist frei, die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt.
Organisation: Prof. Dr. Thomas Lachmann, Dr. Claudia Steinbrink & Dr. Thomas Schinauer
Veranstalter: Deutsche Gesellschaft für Psychologie, Stadt Kaiserslautern & Fachgebiet Psychologie II im Fachbereich Sozialwissenschaften der TU Kaiserslautern
Kontakt: Dr. Claudia Steinbrink

Hauptrednerin:

Prof. Dr. Uta Frith
Institute of Cognitive Neuroscience, University College London
Prof. Frith beschäftigt sich seit Jahren mit Fragen der Bedeutung der Neurowissenschaften für das Lehren und Lernen und gehört zu den führenden angewandten Neurowissenschaftlern weltweit.
„Ich vertrete die Meinung, dass die Rolle der Hirnforschung überhaupt nicht überschätzt werden kann. Dies betrifft allerdings nicht die Gegenwart sondern die Zukunft. Jetzt sind wir noch nicht weit genug, dass diese Rolle sich entfalten kann; wir können gerade ein paar Lichtstrahlen am Horizont feststellen. Ich denke an den Parallelfall der Medizin, die noch im 19. Jahrhundert wie eine Kunst aber nicht wie eine Wissenschaft ausgeübt wurde. Es brauchte gewaltige Forschungsfortschritte z.B. in der Chemie und Physik, durch die dann die Medizin auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt werden konnte. Ich denke, dass heute die Pädagogik in einer ähnlichen Lage ist. Entwicklungs- und Lernpsychologie spielen dabei die Rolle der Physiologie und Anatomie in der Medizin, die zwar unmittelbar nahe am Ziel zu sein scheinen, aber selbst nur dadurch verstanden werden können, dass sie die wachsenden Erkenntnisse der Hirnforschung in sich eingliedern.“

Podiumsteilnehmer: (in alphabetischer Reihenfolge)

Prof. Dr. Marcus Hasselhorn
Arbeitseinheit Bildung und Entwicklung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt
„Hirnforschung in der Entwicklungs- und Lernpsychologie abzulehnen ist ebenso unsinnig wie die Annahme, die Hirnforschung könne mittelfristig an die Stelle der Entwicklungs- und Lernpsychologie treten.“

Prof. Dr. Margarete Imhof
Abteilung Psychologie für Pädagogen der Universität Mainz
„Die Herausforderung für Lehrer und Lehrerinnen besteht darin, bei Schülern und Schülerinnen Potenziale und Schwierigkeiten zu erkennen, Maßnahmen zu entwickeln, um Schüler und Schülerinnen individuell zu fördern und einen sozialen Kontext für Lernerfahrungen zu schaffen. Dass Lehrer und Lehrerinnen die dazu erforderlichen Entscheidungen auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse treffen, ist wünschenswert. Dass dabei die Hirnforschung eine entscheidende Rolle spielt, halte ich jedoch für unwahrscheinlich.“

Prof. Dr. Thomas Lachmann
Abteilung Psychologie II, TU Kaiserslautern
„Die Methoden und Erkenntnisse der Neurowissenschaften in der entwicklungs- und lernpsychologischen Forschung zu ignorieren wäre absurd. Es kommt darauf an, sie zielgerichtet einzusetzen und zu integrieren. Eine Gefahr besteht in der Überschätzung und Übergeneralisierung einzelner Befunde, eine noch größere Gefahr jedoch in der Ignoranz.“

Oberstudiendirektor Max Laveuve
Direktor des Albert-Schweitzer-Gynmasiums Kaiserslautern
„In ganz wenigen Bereichen gibt es so viele widersprüchliche und umstrittene Theorien und Ansichten wie beim Thema Schule und Lernen. Wenn die Hirnforschung hier durch objektive wissenschaftliche Erkenntnisse etwas mehr Klarheit schaffen könnte, dann wäre das für alle Beteiligten sehr hilfreich.“

Prof. Dr. Wolfgang Schnotz
Arbeitseinheit Allgemeine und Pädagogische Psychologie, Universität Koblenz-Landau
„Hirnforschung kann unser Verständnis von psychischen Vorgängen vertiefen. Sie kann uns jedoch keine spezifischen Empfehlungen geben, wie wir Schülerinnen und Schülern mathematische Inhalte vermitteln, wie wir Arbeitsplätze gestalten sollen und dergleichen. Sie ergänzt deshalb andere psychologische Disziplinen, kann diese jedoch nicht ersetzen.“

Prof. Dr. Cees van Leeuwen
Brain Science Institute, Riken, Tokyo, Japan
„Die Hirnforschung liefert differenzierte Erkenntnisse zur Entwicklung des menschlichen Gehirns auf deren Basis dann Pädagogen und Psychologen auch differenziertere und flexiblere Förderprogramme entwickeln können.“

Moderator:

Ralf Caspary
Leitender Wissenschaftsredakteur beim SWR, zuständig für AULA und IMPULS
Ralf Caspary ist Herausgeber der Bücher „Lernen und Gehirn: Wege zu einer neuen Pädagogik“ und „Nur wer Fehler macht, kommt weiter: Wege zu einer neuen Lernkultur“. Im Frühjahr erscheint sein Buch „Alles Neuro - über die Mythen der Hirnforschung“ im Herder Verlag.


Grußworte:

Prof. Dr. Helmut Schmidt
Präsident der TU Kaiserslautern

Prof. Dr. Dirk Wentura
Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie

Prof. Dr. Thomas Lachmann
Dekan des Fachbereichs Sozialwissenschaften der TU Kaiserslautern

Inhalt der Veranstaltung:

In den letzten Jahrzehnten haben bildgebende Verfahren dazu beigetragen, die Arbeitsweise des Gehirns besser zu verstehen und aufzuzeigen, wie Entwicklungs- und Lernprozesse das Gehirn funktional und strukturell verändern. Viele Wissenschaftler und Praktiker sind der Meinung, dass neurowissenschaftliche Erkenntnisse zu Lern- und Entwicklungsprozessen eine hohe Relevanz für den Bildungssektor haben und setzen sich für eine engere Verbindung von Hirnforschung und bildungswissenschaftlichen Themen ein. Andere dagegen sind skeptisch, ob derartige Erkenntnisse wirklich zur besseren Gestaltung von Lehr-Lernprozessen in Schule und Kindergarten beitragen können. Die Frage, welchen Beitrag die Hirnforschung für die Angewandte Psychologie und Bildungsforschung leisten kann, beschäftigt seit Jahren Wissenschaftler, Bildungspolitiker, Schulpraktiker und Eltern gleichermaßen.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie fördert im Wissenschaftsjahr 2009 bundesweit mehrere Veranstaltungen zum Thema „Psychologie und Zukunftsfragen“. Ziel ist es, die Psychologie als Wissenschaft öffentlichkeitswirksam zu präsentieren und psychologische Fragestellungen mit gesellschaftlicher Relevanz in Kommunikation mit der Öffentlichkeit, mit der Jugend und mit Fachkollegen erörtern. Im Rahmen dieser Förderinitiative veranstaltet die Abteilung „Psychologie der Frühförderung“ des Fachbereichs Sozialwissenschaften der TU Kaiserslautern diese Podiumsdiskussion. Verschiedene anerkannte Fachvertreter aus den Bereichen der Pädagogischen Psychologie und der Experimentellen Kognitiven Psychologie sowie Fachleute aus der Bildungspraxis werden ihre Ansichten zum Thema einer breiten Öffentlichkeit präsentieren und diese miteinander und mit dem Publikum diskutieren. Neben den Podiumsmitgliedern werden Professoren verschiedener Fachgebiete der TU Kaiserslautern (Psychologie, Biologie, Philosophie, Pädagogik) an der Veranstaltung teilnehmen.

Anfahrt und Übernachtung:

Die Veranstaltung findet im Stadtzentrum von Kaiserslautern, in der Fruchthalle statt. Diese ist vom Bahnhof aus in 10 min zu Fuß erreichbar. Siehe Stadtplan unten.

Gäste, die von der 12. Fachtagung Pädagogische Psychologie der DGPs in Saarbrücken anreisen, erreichen Kaiserslautern in 40 Minuten über die A6.

Für die Übernachtung in Kaiserslautern stehen Hotelkontingente zu Sonderpreisen bei zwei Hotels in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsortes zur Verfügung.

Altstadthotel
Kontingent „Podiumsdiskussion Psychologie“ bis zum 25.08.2009
Sonderpreis: 59.- Euro inkl. Frühstück
Adresse: Altstadthotel Kaiserslautern, Steinstr. 51, 67657 Kaiserslautern
Buchung: Telefon: 0631/3643-0; Fax: 0631/3643-100, E-mail:

Hotel Zepp
Kontingent „Podiumsdiskussion Psychologie“ bis zum 06.08.2009
Sonderpreis: von 35-58 Euro, je nach Kategorie, inkl. Frühstück
Adresse: Hotel Zepp, Pariser Straße 4-6, 67655 Kaiserslautern
Buchung: Telefon: 0631/71004-0, Fax: 0631/71004-21, E-mail:


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